Die Costa Brava

Qualität statt Quantität

Bis zum großen Platzen der Immobilienblase in Spanien im Jahre 2009 galt stets das Höher-Schneller-Weiter-Prinzip. Es wurde Hotel um Hotel gebaut, immer mehr Betten sollten sie haben und günstig sollten sie selbstverständlich auch sein. Neue Feriendörfer entstanden selbst an Orten, wo bisher lediglich eine felsige Küste vorzufinden war. Auf diese Weise wurde zum Beispiel auf Gran Canaria in manche Buchten Sand aus der Karibik importiert, um ihn dort künstlich aufzuschütten und viele Hotels und Resorts drumherum zu bauen. Diese Bebauungen sind in den seltensten Fällen schön und im Einklang mit der Natur sind sie fast nie.

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Das Jahr 2009 war dann der ultimative Wendepunkt für die spanische Wirtschaft, deren Haupteinnahmequelle der Immobilienmarkt gewesen war, es wurde dort zur Hochzeit mehr gebaut als in Deutschland, Frankreich und England zusammengenommen. Viele dieser künstlich angelegten Retorten-Siedlungen stehen jetzt leer, Baugenehmigungen werden nur noch spärlich erteilt und Kredite gibt es nicht mehr für jedermann.

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Die Qualität soll von nun an im Fokus stehen

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Spanien suhlte sich, trotz der finanziellen und wirtschaftlichen Katastrophe, nicht lang in Selbstmitleid und Schuldzuschiebereien, sondern begann das Beste aus den neuen Bedingungen zu machen. Seit dem Jahre 2010 gilt das Credo des nachhaltigen und qualitativ hochwertigen Urlaubserlebnisses. Dies wurde erreicht durch massive Investitionen in die Verschönerung der wichtigsten Touristenziele. Davon hat besonders die bei den Deutschen so beliebte Ferieninsel Mallorca profitieren können. Die Promenade an der berühmten Playa de Palma wurde komplett neu gestaltet, große Hotels mussten, um weiter in Betrieb bleiben zu dürfen, mehrere Etagen abtragen, viel Schäbiges wurde abgerissen und an die Neubauten wurden hohen Anforderungen gestellt.

Die Resultate können sich sehen lassen

Viele der einstigen Schandflecke sind im Zuge der Qualitätsverbesserungen zu wahren Perlen geworden, den bei der Finanzkrise massiv eingebrochenen Immobilienpreisen hat die Verwandlung ebenfalls geholfen, wieder zu alter Form zurückzufinden.

Spanien spricht nun auch viel deutlicher einzelne Zielgruppen an, um für sich zu werben, denn einfach nur zu sagen, dass man jetzt nur noch Luxus anbieten möchte, funktioniert natürlich nicht. Damit können zwar einzelne Gebiete werben, aber nicht das ganze Land. Darum geht die spanische Tourismusbehörde gezielter auf die Wünsche der Gäste ein. Dazu zählen neben Golfern auch die Naturliebhaber und die Taucher. Spanien wirbt mit seiner mannigfaltigen Natur. Wer gerne wandert, ist hier bestens aufgehoben: Schnell eine paar neue Ecco Schuhe bestellen und dann geht es los, in einen der vielen Nationalparks.

Die Sportler bringen Geld

Mallorca hat besonders bei den Fans des Rennradsports ein Stein im Brett. Im Frühjahr und im Herbst kommen sie zu Hunderttausenden aus ganz Europa, um sich über die Pässe des malerischen Traumata-Gebirges zu quälen. Auf diese Weise herrscht das ganze Jahr über Saison, was die Gastronomie besonders erfreut.

Alles in allem zeigt sich an der Entwicklung des spanischen Tourismus deutlich, dass Katastrophen wie die vom Jahre 2009 auch nützlich sein können und Impulse setzen, die sich sonst niemand gewagt hätte.

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bard