Zeitreise im Baix Empordà: Die mittelalterlichen Steindörfer Pals, Peratallada und Monells
Das steinerne Gedächtnis des Baix Empordà
Wer von der Costa Brava ins Landesinnere fährt, erlebt innerhalb weniger Kilometer einen deutlichen Wechsel. Hinter den belebten Strandpromenaden von L“Estartit, Begur oder L“Escala beginnen sanfte Felder, Pinienhaine und kleine Landstraßen, die sich durch das Baix Empordà ziehen. Hier bestimmen nicht Hotelanlagen und Badebuchten das Landschaftsbild, sondern niedrige Natursteinmauern, Zypressen, Reisfelder und Dörfer, deren Gassen über Jahrhunderte gewachsen sind. Für Urlauber, die ein Ferienhaus an der Costa Brava als ruhigen Ausgangspunkt für Kultur und Natur nutzen möchten, ist diese Region besonders reizvoll.
Das historische Dreieck aus Pals, Peratallada und Monells verbindet romanische und gotische Baukunst mit dem warmen Sandstein des Empordà. Die drei Orte unterscheiden sich deutlich, erzählen jedoch gemeinsam von Burgherren, Handelswegen, Landwirtschaft und mittelalterlichen Dorfgemeinschaften. Wer nicht nur einen kurzen Fotostopp plant, sondern die Orte zu Fuß und mit etwas Zeit erkundet, entdeckt ein stilles Katalonien, das einen wohltuenden Kontrast zum sommerlichen Küstentrubel bildet.
Pals und der Wachturm über Reisfeldern und Meer
Pals liegt auf dem Hügel Mont Aspre und nimmt damit eine strategische, aber auch ausgesprochen aussichtsreiche Position ein. Vom erhöhten Ortskern reicht der Blick über die Ebene des Empordà bis zu den Reisfeldern bei Pals und, bei klarer Sicht, zur Mittelmeerküste und den Medes-Inseln. Die Reiswirtschaft gehört zu den prägenden Traditionen der Umgebung. Besonders im Frühjahr und Frühsommer zeichnen die bewässerten Felder geometrische Muster in die Landschaft, während im Herbst goldene Farbtöne dominieren.
Das historische Viertel wird häufig als El Pedró bezeichnet. Enge, gepflasterte Gassen führen zwischen sorgfältig restaurierten Sandsteinhäusern hindurch, vorbei an Torbögen, kleinen Plätzen und Mauerresten. Der markanteste Bau ist die Torre de les Hores, ein mittelalterlicher Wachturm und Überrest der früheren Burganlage. Der Turm mit seinem charakteristischen Glockenaufsatz ist heute das Wahrzeichen von Pals. In der Umgebung lohnt es sich, nicht nur den Hauptplatz anzusteuern, sondern auch die weniger frequentierten Seitengassen entlang der alten Befestigung zu nehmen.

Für einen entspannten Besuch empfiehlt sich der frühe Morgen. In der Hauptsaison füllen sich die schmalen Wege ab dem späten Vormittag mit Tagesgästen, und manche Bereiche des historischen Zentrums wirken dann deutlich belebter. Wer vor den Reisebussen eintrifft, findet leichter einen Parkplatz außerhalb des Ortskerns und kann die Aussicht in ruhiger Atmosphäre genießen.
- Bequeme, rutschfeste Schuhe sind auf dem unebenen Kopfsteinpflaster sinnvoll.
- Die steile Lage des historischen Viertels sollte bei eingeschränkter Mobilität berücksichtigt werden.
- Für Familien ist die Kombination aus Ortsbesichtigung, Reisfeldern und einem anschließenden Strandbesuch bei Pals besonders praktisch.
- Bei einem Ferienhaus in Begur oder an der Küste sollte für die Anfahrt ins Hinterland ausreichend Zeit eingeplant werden, da die Straßen in der Saison stärker genutzt werden.
Peratallada als Meisterwerk aus dem Felsmassiv
Peratallada gilt als eines der geschlossensten mittelalterlichen Ortsbilder Kataloniens. Schon der Name verweist auf seine ungewöhnliche Entstehung: Er lässt sich sinngemäß mit „gehauener Stein“ übersetzen. Der Ort wurde auf einem Sandsteinplateau errichtet, das an vielen Stellen direkt bearbeitet wurde. Besonders eindrucksvoll ist der tiefe, in den Fels geschlagene Burggraben. Er war nicht lediglich ein dekoratives Element, sondern Teil einer Verteidigungsanlage, die den Zugang zur Burg und zum befestigten Siedlungskern erschwerte.
Die Geschichte Peratalladas ist seit dem 10. Jahrhundert dokumentiert. Der erhaltene Bergfried, Teile der Burg, der Palastbereich und die Mauern erinnern an die Zeit, in der der Ort ein Zentrum feudaler Macht im Baix Empordà war. Anders als viele mittelalterliche Burgen, die später verfielen oder abgetragen wurden, blieb Peratallada dauerhaft bewohnt. Dadurch verschmolzen militärische und zivile Architektur: Häuser lehnen sich an Mauern, Durchgänge führen unter Bögen hindurch, und Treppen folgen dem natürlichen Verlauf des Felsens.
Im Ortszentrum stehen honigfarbene Sandsteinhäuser mit kleinen Fenstern, hölzernen Türen und zurückhaltenden Innenhöfen. Die romanische Kirche Sant Esteve liegt etwas außerhalb des dichtesten Ortskerns und ergänzt das Ensemble um einen sakralen Akzent. Für die Besichtigung sollte Zeit zum langsamen Umhergehen eingeplant werden. Peratallada erschließt sich weniger durch einen einzelnen Aussichtspunkt als durch das Zusammenspiel von Fels, Mauerwerk, Türmen und Gassen.
| Bauliches Element | Funktion im mittelalterlichen Ort | Besonderheit in Peratallada |
|---|---|---|
| Burg und Bergfried | Herrschaftssitz und Beobachtungspunkt | Direkt in das befestigte Siedlungsgefüge integriert |
| Felsgraben | Schutz vor Angreifern und Erschwerung des Zugangs | Etwa acht Meter tief und unmittelbar aus dem Sandstein herausgearbeitet |
| Ringmauern und Türme | Verteidigung und Kontrolle der Zugänge | Mehrere mittelalterliche Befestigungsringe sind im Ortsbild ablesbar |
| Sant Esteve | Religiöses Zentrum der Gemeinde | Romanische Kirche in ruhiger Lage am Rand des Ortskerns |
Im Vergleich zu Pals wirkt Peratallada kompakter und stärker von seiner Befestigungsarchitektur geprägt. Pals lebt von der erhöhten Aussichtslage und dem weithin sichtbaren Wachturm, während Peratallada durch die unmittelbare Nähe von Häusern, Fels und Mauern eine fast vollständig geschlossene historische Atmosphäre bewahrt. Restaurants, kleine Geschäfte und Werkstätten machen den Ort zu einem guten Ziel für einen halben Tag. In der Hochsaison lohnt sich eine Reservierung, wenn ein längeres Mittagessen in einem der beliebten Lokale geplant ist.
Monells und der Zauber gewölbter Bogengänge
Monells entwickelte sich rund um eine einstige Burganlage, von der heute vor allem die Struktur des historischen Ortskerns zeugt. Mittelpunkt ist die Plaça Jaume I, ein von Arkaden gesäumter Platz, der über lange Zeit als Markt- und Begegnungsort diente. Die gewölbten Durchgänge schaffen Schatten und verleihen dem Platz eine besondere räumliche Ruhe. Anders als Pals, das stärker auf Besucherströme und Aussichtspunkte ausgerichtet ist, wirkt Monells kleinteiliger und zurückhaltender.
Beim Rundgang fallen die unterschiedlichen Formen der romanischen und gotischen Arkaden auf. Manche Bögen sind regelmäßig gesetzt, andere folgen dem Verlauf älterer Häuserfronten. Zusammen mit den Natursteinfassaden entsteht ein harmonisches Bild, das nicht auf monumentale Einzelbauten angewiesen ist. Monells eignet sich deshalb besonders für Reisende, die architektonische Details schätzen und ihren Besuch mit einer regionalen Mahlzeit verbinden möchten. Auf den Speisekarten finden sich je nach Saison Gerichte wie Ente aus dem Empordà, Reisvariationen und suquet de peix, ein traditioneller Fischeintopf der katalanischen Küste.
- Die Plaça Jaume I ist der beste Ausgangspunkt für die Erkundung.
- Unter den Arkaden lässt sich auch an warmen Tagen angenehm eine Pause einlegen.
- Für eine kulinarische Rast sind Reservierungen am Wochenende und in der Hauptsaison ratsam.
- Monells lässt sich gut mit Cruïlles, La Bisbal d“Empordà oder Peratallada verbinden.
Wer in einem Ferienhaus bei Palamós, Begur oder L“Escala wohnt, erreicht Monells meist bequem mit dem Mietwagen. Für einen längeren Aufenthalt empfiehlt sich außerdem ein Abstecher nach La Bisbal d“Empordà, dem regionalen Zentrum der Keramik. Dort können Reisende Werkstätten, Geschäfte und das Terracotta-Museum besuchen. So lässt sich der mittelalterliche Ausflug um ein lebendiges Handwerk ergänzen.
Die ideale Entdeckerroute mit Rad oder Mietwagen
Die drei Dörfer liegen nah genug beieinander, um sie als entspannte Rundtour zu verbinden. Eine attraktive Strecke führt von der Küste oder aus dem Raum La Bisbal d“Empordà zunächst nach Peratallada, anschließend nach Pals und über die ländlichen Wege weiter nach Monells. Zwischen den Orten wechseln sich Felder, Pinienhaine, Olivenhaine und kleine Dörfer ab. Die Hauptstraßen sind meist unkompliziert, doch auf Nebenwegen können landwirtschaftliche Fahrzeuge unterwegs sein. Ein Mietwagen bietet Flexibilität, während das Fahrrad die Landschaft unmittelbarer erlebbar macht.
Für viele Urlauber ist ein E-Bike die angenehmste Lösung. Das Baix Empordà ist zwar keine Hochgebirgsregion, dennoch sorgen kurze Anstiege, wechselnde Untergründe und die Pflasterstraßen der Ortskerne für zusätzliche Anstrengung. Geführte oder selbst geplante Touren von ungefähr 25 bis 35 Kilometern lassen sich mit Besichtigungen und einer Mittagspause gut verbinden. Regionale Anbieter organisieren teilweise E-Bike-Ausflüge durch die Agrarlandschaft, oft mit Stopps bei Bauernhöfen, Weingütern oder kleinen Manufakturen.
- Starte früh in Peratallada, solange die Gassen ruhig sind, und besichtige Burgbereich, Felsgraben und Sant Esteve.
- Fahre anschließend über Nebenstraßen nach Pals, wobei Reisfelder und offene Landschaft den Übergang zur Hügellage markieren.
- Plane in Pals ausreichend Zeit für den historischen Kern, den Torre de les Hores und die Aussicht ein.
- Beende die Rundtour in Monells mit einem Spaziergang unter den Arkaden und einer regionalen Mahlzeit.
- Nutze den Rückweg für einen Einkauf bei einer Keramikwerkstatt oder einem kleinen Produzenten in der Umgebung.
Als Reisezeit sind besonders Frühling und Herbst empfehlenswert. Die Temperaturen sind dann für Spaziergänge und Radtouren meist angenehmer, während die Besucherzahlen unter dem Niveau der Hochsommermonate liegen. Im Juli und August sollte die intensive Mittagshitze berücksichtigt werden. Parkplätze befinden sich in der Regel außerhalb der historischen Zentren. Das ist nicht nur organisatorisch wichtig, sondern schützt auch die engen Ortskerne vor unnötigem Autoverkehr. Vor der Abfahrt sollte geprüft werden, ob die Unterkunft über einen eigenen Stellplatz verfügt, da Parkraum in Küstenorten und beliebten Dörfern knapp sein kann.
Für Familien mit kleinen Kindern ist ein Mietwagen oft praktischer, weil Kinderwagen auf Kopfsteinpflaster und bei Treppen schnell unhandlich werden. Paare und sportliche Reisende können dagegen eine Fahrradtour mit einem Aufenthalt in einem ländlichen Ferienhaus verbinden. Bei der Unterkunftswahl zählen dann ein abschließbarer Fahrradraum, eine ruhige Lage, eine gut ausgestattete Küche und eine sichere Parkmöglichkeit. Wer mit Hund reist, sollte außerdem klären, ob das Ferienhaus einen umzäunten Garten besitzt und ob die geplante Route ausreichend schattige Abschnitte bietet.
So gelingt der entschleunigte Ausflug ins Mittelalter
Pals, Peratallada und Monells zeigen drei unterschiedliche Seiten des historischen Baix Empordà. Pals verbindet den mittelalterlichen Ortskern mit Weitblick über Reisfelder und Meer. Peratallada beeindruckt durch die aus dem Fels entwickelte Burg- und Dorfstruktur. Monells lebt von Arkaden, Platzräumen und einer stilleren, beinahe nachbarschaftlichen Atmosphäre. Zusammen ergeben die Orte ein kulturhistorisches Ausflugsziel, das sich deutlich vom klassischen Strandtag unterscheidet.
Die beste Wirkung entfaltet die Route, wenn sie nicht unter Zeitdruck absolviert wird. Ein früher Start, ein Mittagessen mit regionalen Produkten und ein Abstecher zu einer Keramikwerkstatt oder einem kleinen Weingut machen aus drei Sehenswürdigkeiten einen ganzen Urlaubstag. Besonders außerhalb der Hauptsaison lässt sich das ländliche Kulturerbe aufmerksam erkunden. Wer bei der Planung auf kurze Fahrzeiten, Parkmöglichkeiten und die Ausstattung des Ferienhauses achtet, gewinnt an der Costa Brava genau das, was diese Dörfer versprechen: Ruhe, Geschichte und einen authentischen Zugang zum Hinterland Kataloniens.
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